Amarone für Einsteiger: der Wein im Überblick
Amarone della Valpolicella gehört zu den bekanntesten Namen der italienischen Weinwelt. Unter dieser Bezeichnung entstehen einige der angesehensten und gefragtesten Rotweine Italiens. Zugleich ist Amarone ein eigenständiger Wein, dessen Herstellung ebenso komplex sein kann wie sein Geschmack! Was macht ihn also aus? Wer erzeugt ihn, wo und wie? Dieser Leitfaden beantwortet die wichtigsten Fragen.
Was genau ist Amarone?
Die Grundlagen sind schnell erklärt. Amarone ist ein Rotwein aus dem Valpolicella-Gebiet in Venetien, nördlich von Verona und westlich von Soave. Er gilt oft als der große trockene Wein der Region, an der Spitze einer Reihe, zu der auch Valpolicella Classico, Valpolicella Superiore und Valpolicella Ripasso gehören. Seit 2010 trägt er die Bezeichnung DOCG (Denominazione di origine controllata e garantita), die höchste Stufe der italienischen Herkunftsklassifikation. Er wird aus Rebsorten erzeugt, die außerhalb Venetiens nur selten angebaut werden. Die wichtigsten sind Corvina, Corvinone und Rondinella; dazu können Oseleta und Molinara kommen. Meist wird er als vollmundiger Wein mit großem Reifepotenzial beschrieben.
Und doch …
Diese Fakten verraten noch nicht alles darüber, was im Glas wartet: Amarone ist ein kraftvoller, ausgesprochen kraftvoller Wein, dessen Alkoholgehalt regelmäßig über 15 % liegt. Er ist der üppigste trockene Wein des Valpolicella-Gebiets. Ein guter Amarone füllt den Gaumen mit roten und schwarzen Kirschen sowie Noten von Kaffee und Schokolade. Sein Name leitet sich vom italienischen amaro, „bitter“, ab und grenzt ihn vom süßen Recioto ab. Dennoch bewahren viele Amarone viel Finesse und Eleganz. Mit zunehmender Reife können feinere Nuancen von Tabak, eingekochten Früchten und sogar Teer hinzukommen, während Fülle und Tiefe erhalten bleiben.


Für diese Kraft gibt es mehrere Gründe: gut ausgereifte Trauben, geeignete Böden und eine günstige Sonneneinstrahlung. Der wichtigste Schritt findet jedoch erst nach der Lese statt, wenn die Trauben im Weingut ankommen: das Appassimento, also das Antrocknen der Trauben.
Tatsächlich wird Amarone aus teilweise getrockneten Trauben hergestellt! Nach der Ernte verlieren die Trauben durch die Verdunstung von Wasser üblicherweise 30 bis 50 % ihres Gewichts, bevor sie gepresst und vergoren werden. Das Verfahren trägt zu den typischen Trockenfruchtnoten bei und konzentriert den Zucker im verbleibenden Saft, wodurch die charakteristisch hohen Alkoholwerte entstehen können. Alkohol beeinflusst das Körpergefühl und die Entfaltung der Aromen und trägt damit zur Fülle des Weins bei.
Wie sieht das Valpolicella-Gebiet aus?
Das Valpolicella-Gebiet besteht aus Hügeln und Tälern, mit dem Gardasee im Westen und Verona im Süden. Die kühlen Brisen vom See mildern die sommerliche Hitze und schaffen günstige Bedingungen für den Weinbau. Das gilt besonders für höher gelegene Weinberge, die über dem feuchten Nebel liegen, der sich in den Talsohlen sammeln kann. Auch die Böden sind vielfältig und umfassen unter anderem Lehm und verschiedene kalkhaltige Böden. Zusammen mit Klima und Höhenlage begünstigen sie eine Reifung, bei der die Weine des Valpolicella-Gebiets ihre typische Frische bewahren.
Man unterscheidet drei große Teilgebiete: das älteste, die historische Valpolicella Classica im Westen; die Valpantena im mittleren Bereich nördlich von Verona; und das größere, nach Osten ausgedehnte Gebiet der Valpolicella Allargata, auch einfach Valpolicella DOC genannt.



Zurück zu den getrockneten Trauben …
Schauen wir uns zunächst die Rebsorten an. Die Hauptrolle spielt Corvina, unterstützt von Corvinone, Molinara, Rondinella und gelegentlich der seltenen Oseleta. Kleine Anteile von Sorten wie Merlot und Sangiovese sind ebenfalls zugelassen. Corvina ist besonders für ihre ausgeprägte Säure und ihren typischen Kirschgeschmack bekannt. Im Verschnitt mit anderen Sorten liefert sie frische, lebhafte Rotweine, von unkomplizierten vini da tavola bis zu strukturierten Ripasso.
Die Trauben für das besondere Trocknungsverfahren, das Appassimento, werden sorgfältig ausgewählt. Weine aus getrockneten Trauben bezeichnet man als Passito. Diese Trauben können für Amarone oder für den traditionsreichen Süßwein Recioto bestimmt sein. Der Überlieferung nach entstand Amarone sogar durch einen Fehler bei der Herstellung eines Recioto!
Die Methoden unterscheiden sich, doch das Grundprinzip bleibt gleich: Die Trauben trocknen in eigens dafür eingerichteten Räumen, bis sie genügend Wasser verloren haben und der Saft entsprechend konzentriert ist. Diese Konzentration, vor allem der hohe Zuckergehalt des Mosts, kann zu einer besonders langen Gärung von 30 bis 50 Tagen führen. Zum Vergleich: Bei vielen Weinen dauert die Gärung etwa zwei bis drei Wochen. Manche Erzeuger setzen dafür auf ausgewählte Reinzuchthefen. Viele traditionell arbeitende Winzer bevorzugen dagegen die natürlichen Hefen, die auf den Trauben und im Keller vorkommen, weil sie diese für besonders geeignet halten.
Woher wissen wir, dass die Erzeuger diese Vorgaben einhalten?
Dafür sorgen unter anderem die Regeln der Herkunftsbezeichnung! Der Name Amarone della Valpolicella ist durch die DOCG geschützt, die bereits erwähnte Denominazione di origine controllata e garantita. Wer diesen Namen auf dem Etikett verwenden möchte, muss die Produktionsvorschriften einhalten und sich den vorgesehenen Kontrollen unterziehen.
Daneben tragen weitere Organisationen dazu bei, die Weine des Valpolicella-Gebiets zu schützen und die regionalen Traditionen bekannt zu machen. Dazu gehört das Consorzio per la Tutela dei Vini Valpolicella, das Schutzkonsortium der Valpolicella-Weine. Es vereint Weinbauern, Weinproduzenten und Abfüller der Region. Seit 2013 ist es befugt, sämtliche Betriebe der Herkunftsbezeichnung zu vertreten. Zu seinen Aufgaben zählen Schutz, Werbung und Wissensvermittlung.
Auch die Vereinigung Famiglie Storiche, die „historischen Familien“, umfasst einige der ältesten und bekanntesten Weingüter des Gebiets, darunter Allegrini, Begali, Brigaldara, Guerrieri Rizzardi, Masi, Musella, Speri, Tedeschi, Tenuta Sant’Antonio, Tommasi, Torre D’Orti, Venturini und Zenato. Die Amarone-Flaschen dieser Weingüter tragen eine besondere Kennzeichnung ihrer Mitgliedschaft. Die Vereinigung setzt sich für die traditionellen Weinbaupraktiken der Region ein.


Worauf sollte man beim Kauf eines Amarone achten?
Das Appassimento ist ein Grund dafür, warum Amarone della Valpolicella manchmal recht teuer erscheint: Für eine Flasche werden ungefähr doppelt so viele Trauben benötigt! Es ist aber nicht der einzige Grund. Die Herstellung ist langwierig, anspruchsvoll und mit Risiken verbunden. Voraussetzung sind gesunde, hochwertige Trauben aus geeigneten Lagen. Häufig kombinieren die Erzeuger Trauben aus verschiedenen Weinbergen, um den gewünschten Stil zu erreichen; Amarone aus einer einzelnen Lage sind seltener. Was verrät uns also das Etikett? Wie finden wir gute Qualität, ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis und vor allem den Amarone, der uns schmeckt?
- Steht „Amarone Classico“ auf dem Etikett, stammen die Trauben aus der Valpolicella Classica, dem historischen westlichen Teil des Anbaugebiets. Ohne diesen Zusatz dürfen sie aus dem gesamten zugelassenen Gebiet kommen. Das ist keine Qualitätsrangliste: Viele Amarone außerhalb der Classica können mit den besten Weinen aus der historischen Zone mithalten.
- Achten Sie auf den Jahrgang! Nicht jedes Jahr bringt denselben Wein hervor. Unser Leitfaden zu den Amarone-Jahrgängen hilft bei der Orientierung. Amarone kann über Jahrzehnte sehr gut reifen. Den richtigen Jahrgang zum richtigen Zeitpunkt zu öffnen, kann deshalb einen großen Unterschied machen.
- Suchen Sie nach der Bezeichnung „Riserva“. Amarone della Valpolicella muss vor dem Verkauf mindestens zwei Jahre reifen, eine Riserva mindestens vier Jahre. Die längere Reife kann mehr Tiefe und ein geschmeidigeres Mundgefühl bringen, abhängig vom Wein und den verwendeten Fässern oder Behältern.
- Informieren Sie sich schließlich über den Erzeuger. Viele Weingüter, etwa Le Ragose, geben auf ihren Websites nützliche Auskünfte über Weinberge, Vinifikation und Ausbau.



Welches Essen passt zu Amarone della Valpolicella?
Die Flasche ist ausgewählt. Was kommt dazu auf den Tisch? Bei der Kombination ist etwas Aufmerksamkeit gefragt: Ein kräftiger Amarone kann feine, leichte Speisen überdecken. Gleichzeitig besitzt er genügend Frische, um gehaltvolle Gerichte sehr gut zu begleiten. Klassische Kombinationen sind geschmorter Ochsenschwanz oder Wildschweinragout sowie die venezianischen Bigoi co’ l’arna, dicke Nudeln mit Entenragout. Für vegetarische Gerichte bieten sich aromatische Pilze an, ebenso wie kräftiger, lange gereifter Käse.
Das Wichtigste auf einen Blick
Amarone gehört zu den großen Rotweinen aus dem Valpolicella-Gebiet nördlich von Verona. Er wird aus teilweise getrockneten Trauben erzeugt und zeigt unterschiedliche, stets ausdrucksstarke Stile. Er reift mindestens zwei Jahre, als Riserva mindestens vier Jahre, oft auch länger, bevor er verkauft wird.
Farbe: in der Jugend dunkles Purpur, mit der Reife ziegelrote bis bräunliche Töne.
Körper: VOLL.
Alkohol: mindestens 14 %, häufig 15 % oder mehr.
Säure: mittel bis eher hoch.
Tannine: mittel bis eher kräftig.
Duft: in der Jugend intensive Maraschinokirschen und Pflaumen mit etwas Kakaopulver und Tabak; gereift auch Zigarrenkiste, Waldboden und gelegentlich ein Hauch Tiramisù.
Geschmack: in der Jugend üppige rote und schwarze Früchte, viel Sauerkirsche und rauchige Nuancen; mit zunehmender Reife Tabak, Teer und sogar Pilze.
Passende Speisen: umamireiche, herzhafte und gehaltvolle Gerichte.
Wäre er ein Tier: ein Panther.
Nebenwirkungen: überschäumende Freude, vielleicht Gesang und Shakespeare-Zitate.
Einige Erzeuger, die man kennen sollte: Masi; Bertani; Nicolis; Le Ragose; Zymé.
Entdecken Sie unsere Amarone-Weine
Amarone della Valpolicella DOCG “Monte Lodoletta” 2016 Magnum 1.5L
Nur noch 1 Flasche
Ursprünglicher Preis war: 998,00 €798,00 €Aktueller Preis ist: 798,00 €.

