Amarone- und Valpolicella-Jahrgänge: eine ausführliche Analyse

Jahrgänge können einschüchternd wirken, wenn man Wein oder eine neue Region entdeckt. Warum sollen vier Ziffern gewöhnlich von außergewöhnlich unterscheiden? Was ist ein „gutes Jahr“, nach welchen Kriterien wird es beurteilt und wie hilft das beim Kauf? Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Faktoren für Amarone und ordnet die Valpolicella-Jahrgänge von 2000 bis 2019 ein.
Die Sterne übernehmen die redaktionelle Einschätzung unseres ursprünglichen Artikels. Sie sind keine offizielle Bewertung und keine Garantie für jede Flasche. E kennzeichnet die dort als besonders außergewöhnlich hervorgehobenen Jahre. Bei älteren Weinen sind Erzeuger, Abfüllung und Lagerung mindestens ebenso wichtig wie der Ruf des Jahrgangs.
Was macht einen guten Jahrgang aus?
Eine Jahrgangsbeschreibung erzählt häufig vom Wetter. Ein sonniger Sommer mit ausreichender Wasserversorgung und ohne übermäßige Feuchtigkeit begünstigt eine gleichmäßige Reife. Kühle Nächte können helfen, Säure zu bewahren, während tagsüber Zucker aufgebaut wird. Häufiger Regen kann dagegen Reife erschweren und Krankheiten fördern.
Sonne allein genügt jedoch nicht. Winter- und Frühjahrsregen füllen Wasservorräte auf. Große Hitze, besonders zusammen mit Trockenheit, kann die Aktivität der Rebe einschränken und die Reifung verlangsamen. Entscheidend sind Gleichgewicht und zeitlicher Verlauf, nicht einfach möglichst viele heiße Tage.
Der Jahrgang beim Amarone
Manche Weinregionen besitzen ein relativ verlässliches Klima. Im Valpolicella sind die Schwankungen größer. Regen, Gewitter und Nebel können die Täler beeinflussen. Die eher spät reifende Corvina benötigt günstige Bedingungen gegen Saisonende, um reife, gesunde und für das Appassimento geeignete Trauben zu liefern.
Auch Behang und Laubwand müssen gesteuert werden. Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Ertrag, Blattfläche und den Ressourcen des Standorts. Qualität ergibt sich nicht aus einem festen Aromavorrat, der lediglich auf mehr oder weniger Beeren verteilt wird.
Für Amarone folgt anschließend eine zweite entscheidende Phase: die Trocknung. Zu viel Feuchtigkeit kann den Wasserverlust verlangsamen und Schimmel fördern. Luftbewegung und geeignete Bedingungen im Trocknungsraum sind daher wesentlich.
Ein großer Jahrgang verbindet maßvolle Wärme, gleichmäßige Reife, gesunde Trauben und gutes Appassimento. Auch schwierige Jahre können durch sorgfältige Auslese und Können hervorragende Flaschen liefern. Der Jahrgang beschreibt den Rahmen, kein endgültiges Urteil.


Die Jahrgänge 2000 bis 2019
2000 — ★★★★★ E
Ein denkwürdiges Jahr, das zeigt, dass große Weine nicht immer einem idealen Wettermuster folgen. Auf einen warmen Frühling folgte ein deutlich kühlerer Juli; die Wärme im August beschleunigte schließlich die Reife. Frühe Lese ermöglichte einigen Betrieben, dem Herbstregen zuvorzukommen. Die besten Weine zeigen Tiefe, Konzentration und beträchtliches Entwicklungspotenzial. Heute entscheidet vor allem der Zustand der einzelnen Flasche.
2001 — ★★★
Der Saisonbeginn war ermutigend. Regen und örtlicher Hagel rund um die Lese verringerten jedoch die Erträge und erschwerten die Auslese. Anschließende Feuchtigkeit machte auch die Trocknung anspruchsvoller. Manche Erzeuger konnten dennoch interessante Weine erzeugen. Bei alten Flaschen ist eine sorgfältige Prüfung der Herkunft besonders wichtig.
2002 — ★★
Der zunächst nützliche Regen setzte sich im Sommer fort und machte das Jahr schwierig. Einzelne Erzeuger erzielten gute Ergebnisse, doch Reife und Traubengesundheit waren vielerorts problematisch. Mehrere Weingüter verzichteten auf einen Amarone dieses Jahrgangs.
2003 — ★★★
Im Gegensatz zu 2002 stand dieser Sommer im Zeichen außergewöhnlicher Hitze. Höhere Lagen kamen oft besser zurecht, während tiefere Standorte stärker litten. Die Weine können reich und reif sein, mit unterschiedlicher Frische. Bei lange gelagerten Flaschen sind Erzeuger und Lagerbedingungen besonders entscheidend.
2004 — ★★★★★
Ein Jahrgang näher am klassischen Ideal: Wärme ohne die Extreme von 2003, ein regelmäßiger Verlauf und die Möglichkeit später Lese. Günstige Trocknungsbedingungen vervollständigten das Bild. Die besten Weine verbanden Balance mit Lagerpotenzial, was den anhaltend guten Ruf erklärt.
2005 — ★★★★
Eine wechselhafte Saison mit kühlem Frühling, anschließender Wärme sowie Regen und Feuchtigkeit im Juli und August. Ein warmer, trockener September verbesserte die Reife vor einem feuchteren Herbst. Warme Nächte begrenzten teilweise die Frische. Trotz vieler gelungener Weine fällt die Lagerfähigkeit deshalb unterschiedlich aus.
2006 — ★★★
Auf einen kühlen, feuchten und späten Frühling folgte ein warmer, trockener Sommer. Die Weine zeigten in ihrer Jugend häufig großzügige Frucht und gute Zugänglichkeit. Ihre Entwicklung verlief uneinheitlich: Einige Abfüllungen hielten gut durch, andere waren eher für früheren Genuss bestimmt.
2007 — ★★★★★
Ein warmer Frühling und günstiger Sommer ermöglichten vielen Betrieben eine frühe Lese. Hagel verursachte örtlich dennoch erhebliche Schäden und zeigte die Unterschiede innerhalb eines Jahrgangs. Wo die Ernte erhalten blieb, trugen gute Bedingungen beim Appassimento zu bemerkenswerten, langlebigen Weinen bei.
2008 — ★★★★
Ein gutes Jahr trotz feuchtem Frühling und teilweise durch Regen und Hagel gestörter Lese. Der gemäßigtere Sommer half, Frische zu bewahren. Die besten Weine zeigen feine Säure, Eleganz und Balance.
2009 — ★★★★★
Nach einem feuchten Winterausklang wurden Frühling und Sommer warm. Begrenzte Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht ließen Fragen zu Frische und Lagerfähigkeit aufkommen. Mehrere Spitzenweine übertrafen diese anfänglichen Erwartungen mit Tiefe und überzeugender Entwicklung.
Weine aus dem Jahrgang 2009
Amarone della Valpolicella DOCG Classico Riserva “De Buris” 2009
Nur noch 1 Flasche
Ursprünglicher Preis war: 397,00 €380,00 €Aktueller Preis ist: 380,00 €.2010 — ★★★★
Auf Frühjahrsregen folgte Juliwärme, bevor der August kühler und feuchter wurde. September brachte eine willkommene Besserung. Die Auswahl für Amarone und Recioto war anspruchsvoll. Erhaltene Säure unterstützte das Entwicklungspotenzial der besten Weine. Der Stil ist häufig eher elegant als mächtig.
2011 — ★★★★★
Früher Regen schuf hilfreiche Wasservorräte vor einem warmen Spätsommer und einer warmen Lesezeit. Luftbewegung und kühlere Nächte halfen guten Standorten, Balance zu bewahren. Günstige Trocknung ermöglichte Weine mit Kraft, Komplexität und Frische. Die besten Abfüllungen besitzen bemerkenswertes Lagerpotenzial.
2012 — ★★★★
Wenig Regen und große Hitze stellten die Reben auf die Probe. Standorte mit besseren Wasserreserven, teilweise mit älteren, tiefer wurzelnden Reben, kamen besser zurecht. Zahlreiche Amarone sind kraftvoll und konzentriert. Der Erfolg hängt jedoch stark von Parzelle und Umgang mit der Trockenheit ab.
2013 — ★★★★
Ein langer Winter und sehr regnerischer Frühling gingen einem günstigeren Sommer voraus. Hagel rund um die Lese beeinträchtigte manche Ernten. Erfahrene Erzeuger konnten trotzdem Weine hervorbringen, die häufig als klassisch, frisch und strukturiert beschrieben werden.
2014 — ★★
Ein besonders anspruchsvolles Jahr mit kühlem, feuchtem Sommer und hohem Krankheitsdruck. Strenge Auslese und geringere Mengen für Amarone und Recioto waren nötig. Eine Besserung gegen Saisonende ermöglichte einzelne Erfolge, meist leichter und klassischer im Stil als in heißen Jahren.
2015 — ★★★★★ E
Nach den Schwierigkeiten von 2014 erwarb 2015 einen außergewöhnlichen Ruf. Das Zusammenspiel von Wasservorräten, Wärme und spätem Saisonverlauf begünstigte reife Trauben mit schöner Frische an den besten Standorten. Erfolgreiches Appassimento ergänzte dies. Kraft und Finesse kennzeichnen viele große Abfüllungen, denen bereits jung eine lange Entwicklung zugetraut wurde.
Weine aus dem Jahrgang 2015
Amarone della Valpolicella DOCG Classico “Guglielmi di Jago 10 anni” 2015
Ursprünglicher Preis war: 114,00 €108,00 €Aktueller Preis ist: 108,00 €.Amandorlato “Il Fornetto” Passito Rosso Veneto IGT 2015
Ursprünglicher Preis war: 65,00 €60,00 €Aktueller Preis ist: 60,00 €.2016 — ★★★★★
Ein weiteres hervorragendes Jahr trotz kühlem und feuchtem Beginn. Der spätere Saisonverlauf ermöglichte gute Reife und günstige Lese. Besonders gelungene Weine verbinden Substanz, Frische und Komplexität mit erheblichem Lagerpotenzial.
Weine aus dem Jahrgang 2016
Die jüngeren Jahrgänge dieser Auswahl
2017 — ★★★★
Hitze und Trockenheit waren bestimmend. Frühjahrsereignisse, darunter Frost in manchen Bereichen, erhöhten die Anforderungen. Reife und Balance verlangten viel Aufmerksamkeit. Das Ergebnis umfasst zahlreiche großzügige, kraftvolle Amarone mit deutlichen Standortunterschieden.
2018 — ★★★
Wechselhafte Bedingungen, Gewitter und unterschiedliche Reifegrade prägten das Bild. Die Länge der Saison ermöglichte einigen Erzeugern gute Balance. Entscheidend ist die Uneinheitlichkeit: Weingut und konkrete Abfüllung sagen mehr aus als die Gesamtbewertung allein.
2019 — ★★★★★
Auf einen kühlen Frühling folgten eine allmähliche Reifung und ein günstiger Spätsommer. Erträge und Gleichgewicht variierten örtlich, doch viele Erzeuger konnten hochwertige Trauben lesen. Die Weine können Duft, klare Frucht und Tiefe vereinen, mit Erfolgen sowohl bei eleganten als auch bei konzentrierteren Interpretationen.
Weitere beachtenswerte Jahre
- 1983 — ★★★★★
- 1988 — ★★★★★
- 1990 — ★★★★★
- 1995 — ★★★★★ E
- 1997 — ★★★★★
- 1998 — ★★★★★
Diese historischen Hinweise ersetzen keine Prüfung der Flasche. Füllstand, Korken, Herkunft und Lagerung sind bei Weinen dieses Alters wesentlich.
